Ein Seniorenheim „macht Schule“

Intergeneratives Projekt zwischen dem Seniorenwohnen und der Grund- und Mittelschule Wolframs-Eschenbach

 

Schon Lessing wusste, dass das Wissen ein Schatz ist, der einen Menschen überall hin begleitet. Diesen Schatz an Wissen und Erfahrung, insbesondere alter Menschen, zu heben ist das Ziel gleich mehrerer parallel laufender gemeinsam-intergenerativer Projekte zwischen dem Seniorenwohnheim Wolframs-Eschenbach und der hiesigen Grund- und Mittelschule.

Inhaltlich orientieren sich die Projekte an den berufsvorbereitenden Zweigen der Mittelschule. So bot sich im Fach Soziales das „Kochen wie zu Großmutters Zeiten“ als Thema geradezu an, sodass man sich in der Schulküche der Parzivalstadt zur Zubereitung – und natürlich auch zum genüsslichen, gemeinsamen Verzehr – von „Arpelplatz“ (fränkisch: „Ebbirnbloodtz“) traf.

Als gleichermaßen spannend wie gewinnbringend erweist sich das Vorhaben im Fach „Wirtschaft“ unter Leitung von Moritz Reichel. Elf Schülerinnen und Schüler und etwa 20 Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenwohnheimes tauschen sich im Zuge von „oral history“ über Weihnachten früher im Vergleich zu Weihnachten heute aus. Während einerseits durch die Interviewsituation bei den Schülern Vorbehalte gegenüber dem Arbeitsumfeld Altenpflege abgebaut werden, erfährt für sie – auch und insbesondere bei denen mit Migrationshintergrund – der Begriff „Weihnachten“ eine tiefere Wahrnehmung durch die Schilderung der Weihnachtserlebnisse aus der Kindheit der Senioren. Gleichzeitig verbessern sie ihre kommunikativen und sozialen Kompetenzen. Die erzählerische weihnachtliche Zeitreise, auf die die Seniorinnen und Senioren ihre faszinierten jungen Zuhörer mitnehmen, werden in kleinen Geheften illustriert und diesen später, grafisch aufbereitet, überreicht.

Ebenfalls einen weihnachtlichen Hintergrund hat das intergenerative Projekt im Fach Technik unter Leitung von Silvia Ortner: Zusammen mit Schülern der Vorbereitungsklassen 10 und 11 basteln die Gäste aus dem Seniorenwohnheim Weihnachtskrippen. Durch den völlig zwanglosen Umgang beim gemeinsamen Basteln werden Hemmungen abgebaut und Wissen weitergegeben; manch einer weiß über das Handwerk von früher Dinge zu berichten, die sich die Generation iPhone nicht vorzustellen vermag. Auch hier sind die quasi beiläufig erzielten, positiven Begleiteffekte das Kennenlernen, die Anregung zur Absolvierung von Praktika oder ehrenamtlichen Tätigkeiten im Seniorenheim und die Stärkung der Verbundenheit von Jung und Alt vor Ort. Wenn dann auch noch das gemeinsame Tun in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen wird, ist auch die intergenerative Freude groß: Eine der gemeinsam „erbastelten“ Weihnachtskrippen hat anlässlich des Weihnachtsmarktes der Grund- und Mittelschule die Stadt erworben; sie wird künftig eine Station des Wolframs-Eschenbacher Krippenweges zieren.