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Sehr geehrte Ehrengäste, sehr geehrte Eltern, liebe Schüler!

Wir sind heute zusammengekommen, um zu feiern. Und wir - Ihr! - habt allen Grund zu feiern: 80% unserer Schüler haben den Quali bestanden. 100% unserer Schüler - man möchte fast sagen: das Übliche - haben die Prüfung zur Mittleren Reife bestanden. Und abermals gilt für 100% unserer Schüler: Kein Abschluss ohne Anschluss. Ja, ihr habt Grund zu feiern. Und doch: Soll man feiern? Kann man angesichts eines Schicksalsschlages, wie ihn eine Familie kaum zu fassen, eine Schule kaum ertragen und eine Abschlussklasse kaum zu verarbeiten vermag, heute feiern? Wer vermag, kann darauf Antwort geben?

Dieser Abend ist die Antwort, gegeben vom einzigen Mensch der das Recht dazu hatte, die Antwort zu geben: Und die Antwort lautet. Ja, feiert. Ja, feiert denn es ist Euere Leistung, Euer Erfolg und der Lohn Eueres Tuns, den ihr zu feiern habt. Ja, feiert, denn es ist euer Weg und Euere Zukunft, die ihr zu feiern habt. Ja, feiert, denn ihr sollt das Leben feiern und nicht das Vergangene beweinen. Ja, feiert, weil er nie gewollt hätte, dass ihr nicht feiert. Und ja, ich schicke Euch diesen Gruß, diese Geste, diese klare Botschaft damit ihr wisst, dass ihr feiern sollt. Und so sagte die einzige Person, die diese Antwort geben durfte und die ich heute aufs herzlichste in unserem Kreise begrüße: Ich finanziere Euch das Buffet des heutigen Abends. Aber feiert. Feiert ihn, und feiert Euch. Danke, Frau Alexandra Rott.

Ihr habt uns - Entschuldigung - Ihr habt es also geschafft. Ihr könnt nun zurück blicken auf 9, 11 oder sogar noch mehr Jahre Schulkarriere. Wer hätte das gedacht, als ihr ganz am Anfang standet - so wie dieser Schüler hier. Vor mir sitzen, ich habe es nachgerechnet, 455 Jahre geballte Schulzeit. Da hat sich doch was angesammelt! Aber ja doch! In Euerem konkreten Fall 11 verschärfte Verweise, 37 normale Verweise und 62 Mitteilungen. Über 432000 Stunden Unterricht, der - natürlich, jetzt können wir es ja sagen - durchweg lustig und konfliktfrei war! Säckeweise Konflikte, Krach mit den Lehrern, Zoff in der Schule, und gäbe es eine Maßeinheit für Frust, müsste sie in jedem Fall mit der Vorsilbe Mega beginnen. Aber, das ist eine völlig falsche Sicht der Dinge.

Wer Schüler so sieht, sieht sie mit völlig falschen Augen. Denn Schüler sind - und haben - vor allen Dingen eines: Zukunft. Natürlich: Wenn ich dieses Bild betrachte kann ich auch den Standpunkt einnehmen, ich sehe 29 Gören und Rotzlöffel die einzig und allein darauf erpicht sind, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Lehrer zur Verzweiflung zu bringen und mit ihren Eltern im Clinch liegen. Ich sehe dieses Bild mit völlig anderen Augen: Ich sehe drei Bankkauffrauen, ein Dutzend erfolgreicher Mittelständler, zwei Bundeswehroffiziere, einen Flugkapitän, vier Bürokauffrauen, zwei Leiter großer Geldinstitute, einen Universitätsdozenten, zwei Leiter großer Filialketten, einen Manager - und einen Rektor.

Und wenn ich mich jetzt in die Runde schaue, sehe ich genau das gleiche Bild: Dort - ein Mechatroniker, der in wenigen Jahren seine eigene Werkstatt eröffnen wird. Da - eine angehende Berufsschullehrerin. Hier - eine werdende Physiotheraupetin. Dort - eine Bankkauffrau. Und da, wer weiß, ein zukünftiger Bürgermeister? Und, soweit ich blicke, wenn die Zeit reif sein wird: Wunderbare Eltern. Mark Twain hat einmal gesagt: Es gibt zwei wichtige Tage in Deinem Leben: Er erste ist der, an dem Du geboren wurdest. Der zweite der an dem Du merkst, wofür.

Das ist der Tag. Feiert ihn - und feiert Euch!